Spielerisch Lernen bei den “Frischlingen”
Seit September 2002 besteht die Waldkindergartengruppe des Montessori-Kinderhauses Fürstenfeldbruck. Die “Frischlinge”, so werden die Kinder der Gruppe genannt, verbringen wochentags bis zu 5 Stunden draußen im Rothschwaiger Forst.
Die Kinder können den Wald riechen, fühlen, die Stille genießen und den unbegrenzten Raum nutzen.
Sie haben Zeit, einfach Kind zu sein.
Da sind verschlungene Pfade. Es geht über Stock und Stein. Wurzeln, Moos, dichtes Gebüsch, Rinnsale. Es duftet nach Waldkräutern und Waldboden. Hier draußen sind die Kinder mit Körper, Seele und allen Sinnen im Einsatz.
In der Waldgruppe finden die Kinder, angeregt durch die sich im Jahreslauf ständig wandelnde Natur, immer neue Spielideen.
Im gemeinsamen Spiel mit natürlichen Materialien entwickeln die Kinder in herausragender Weise Kommunikationsfähigkeiten, Hilfsbereitschaft, Ausdauer, Geduld, Phantasie und Kreativität. Die lebendige Beziehung zu tierischen und pflanzlichen Lebewesen und der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur wachsen mit jedem noch so kleinen selbst erlebten Naturereignis.
Die Kinder erleben die Jahreszeiten, den bunten Herbstwald, den kalten verschneiten Winter, den Frühling mit den aus dem Winterschlaf erwachenden Tieren, den sprießenden Pflanzen und Blättern. Immer wieder wird Spannendes entdeckt und hautnah erfahren. Jedes einzelne Gruppenmitglied bringt sein Wissen ein. Alles was nicht bestimmt werden kann, wird in Naturführern nachgeschlagen.
In Waldpfützen und Wassergräben lässt sich jetzt im Frühling die Metamorphose von Froschlaich zur Kröte beobachten. Die Kinder bemerken Tag für Tag fasziniert jeden kleinen Entwicklungsschritt dieser Amphibien. Außerdem können die Kinder zur Paarungszeit die vielen Molche im Wasser beobachten, die danach das Element Wasser wieder verlassen um nachtaktiv im feuchten Moos im Wald zu leben.
Berg- und Teichmolche werden zuhauf aus den Wassergräben und tieferen Pfützen gefischt und beobachtet . Ganz besonders der orange-rote Bauch der Molche fasziniert die Kinder. Nach dem Zählen werden die Tiere wieder achtsam ins Wasser am Fundort zurückgesetzt.

So erlebt die Gruppe die Entwicklung von vielen Tieren hautnah in nächster Nähe. Libellenlarven, die ihre Zeit als Larve im Wasser verbringen, verpuppen sich am Ufer, um an einem sonnigen Tag als bunt schillernde Flugschönheiten zu schlüpfen. Die Raupen verwandeln sich zu Schmetterlingen und vieles mehr….
Außerdem haben die Mädchen und Buben der „Frischlinge“ viel Spaß an Bewegung im Waldkindergartenalltag.
Körperliche Fitness kommt nicht von allein!
Kinder haben von Klein auf Lust auf Bewegung und Bedürfnis nach Aktivität.
Im Wald können sie Ihren Bewegungsdrang ausleben. Täglich geht die Gruppe auf Entdeckungsreise durch den Wald und ganz nebenbei werden Astwippen, Balancierstämme und nützliche Naturmaterialien entdeckt und zum Teil Baumaterial für die nächsten Lager mitgeschleppt.
Die Kinder trainieren sich im Bäume klettern, üben Felgaufschwung an starken Ästen, spielerisch werden Körperbeherrschung und Gleichgewicht geschult.

Der Tagesablauf im Waldkindergarten ist geprägt durch einen Wechsel zwischen Bewegung und Entspannung sowie zwischen freiem Spiel und gemeinsamen Aktivitäten.
Hier lernt die Gruppe den Einsatz von Werkzeugen. Die Kinder hantieren mit Schaufeln, Hammer, Sägen und Kinderschnitzmessern. Im Moment stellen sich die Interessierten der Gruppe Strickgabeln aus Astgabeln her, um damit dann Wolle zu langen Schnüren zu verarbeiten. Dies erfordert viel Geduld und Fingerfertigkeit. Die Kinder versuchen sich in der Herstellung der Schnüre an Länge zu überbieten.
So finden immer mehr Kinder Interesse an dieser Aktion. Der Strickmeister mit 10 m ist bisher noch nicht überboten worden.

Neben Umwelt- und Bewegungserziehung sind Sozial- sowie Spracherziehung sehr wichtig:
„Wo sind meine eigenen Grenzen, welche hat mein Gegenüber und welche werden von der Waldgruppe vorgegeben“.
Die Kinder lernen einen rücksichtsvollen Umgang miteinander und bekommen immer wieder Hilfestellung bei der Konfliktbewältigung. Zum Beispiel möchte jeder beim Spielen als “Erster” beginnen, doch bevor Streit aufkommen kann, haben die Frischlinge eine Lösung. Sie kennen viele verschiedene Auszählreime und so wird schnell “der Erste” ermittelt.
Spielerisch wird Sprache eingesetzt und geübt.
Die Frischlinge sind zur Zeit begeisterte Seilspringer. Zu Zweit wird das lange Springseil geschwungen und im Rhythmus der Bewegung Reime dazu aufgesagt. Von Mal zu Mal steigern die Kinder ihr Können und die Reime werden so immer länger. Im Beisein der Anderen, der Zuschauer oder diejenigen die sich in die Reihe der Wartenden angestellt haben, werden die Sprüche schnell gelernt und etwas Neues kann aufgesagt werden. Ganz spielerisch entwickelt sich bei den Kindern ein reger Sprachgebrauch durch ein kommunikatives Miteinander in der Gruppe.
Besonderer Schwerpunkt ist neben der Waldpädagogik die Erziehung zur Selbständigkeit nach den Prinzipien von Maria Montessori. Durch die Möglichkeit vielfältige eigene Erfahrungen in der Natur zu sammeln, entwickeln sich bei den Kindern Fähigkeiten wie Mut und Vertrauen, aber sie erleben auch ihre persönlichen Grenzen. Die Natur ist der ideale Bewegungsraum für Kinder.
Die Möglichkeit sich jeden Tag draußen zu bewegen, fördert das Körperbewusstsein eines jeden Kindes, ganz nebenbei und spielerisch gewinnt es an Selbstsicherheit.
Bericht und Fotos: Daniela Hoffmann